Leitung und Lehrende des Bundesgymnasiums in Rein engagieren sich seit Jahren in einer Vielzahl ausgezeichneter Gesundheitsprojekte. Und doch machen sich auch hier unsichere Zeiten, die Nachwirkung der Pandemie und Probleme, die die Pubertät mit sich bringt, bemerkbar, wie Direktorin Renate Oswald beobachtet. Vor diesem Hintergrund dankte sie dem Rotary Club Graz-Nord besonders für sein Engagement und die Finanzierung der Mental Health Days an ihrer Schule.
Gegründet hat die Initiative Golli Marboe, nachdem sich sein Sohn Tobias mit 29 Jahren das Leben genommen hatte. Heute, sieben Jahre später, weiß Marboe, dass die Familie offensichtlich die Zeichen nicht verstanden hatte, dass eine psychische Erkrankung nicht gesehen wurde, – weil sie einfach zu wenig über emotionale und psychische Belastungen und Wege aus der Krise gewusst hatte.
Wenn sich ein Kind den Fuß bricht, wisse jeder, was zu tun sei. Wenn die Seele leide, fühlten sich viele von uns überfordert, gibt Marboe zu bedenken. Dieses Defizit will der Filmemacher und Kommunikationsexperte mit breit angelegter Information beheben. Mit einer reich bestückten Website, einem Podcast, Infobroschüren, Vorträgen, Workshops und Kooperationen mit Unternehmen und Einrichtungen in ganz Österreich. Niederschwellig erreichbar, laut wahrnehmbar, wissenschaftlich fundiert, verständlich, authentisch und wertschätzend.
Mittlerweile hat das mehrfach ausgezeichnete Projekt 170.000 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrlinge und deren Umfeld erreicht.
Gemeinsames Projekt für Kinder, Lehrende und Eltern
Auch hier in Rein umfasste der Tag der psychischen Gesundheit drei Einheiten: für Schülerinnen und Schüler, für Lehrende und schließlich für Eltern.
Denn damit sich Dinge zum Besseren wenden und die Bedeutung von Gefühlen – positiven wie negativen – und den daraus resultierenden Konsequenzen für das Leben, ganz speziell das Leben junger Menschen stärker wahrgenommen wird, binden die Mental Health Days alle Beteiligten in das Projekt ein. Mit Vorträgen und sehr oft interaktiv. Etwa durch anonymisierte Abstimmungen in Echtzeit, wo persönliche Positionen zu drängenden Fragen wie Angst, Unsicherheit, Sucht, Mobbing etc. sichtbar werden. Per QR-Code gelangt man zum Mentimeter und per Handy-Klick landet die individuelle Antwort auf Fragen in der Gesamtgrafik am Screen.
Ein Mittel, das klar macht, das man mit seinem Problem nicht allein ist. Eine, wie Golli Marboe denkt, der wichtigsten Erkenntnisse bei der Suche nach möglichen Auswegen aus der Krise.
Hinschauen, Zuhören, Nachfragen
"Einiges von dem, was ich heute gehört habe, hätte ich gern früher gewusst", sagte ein Vater von zwei Schülern des BG Rein nach dem Vortrag im Steinernen Saal. "Hätte unseren Kindern und uns Eltern geholfen." Eine andere Besucherin nahm vor allem die Anregung mit, bei ihrem Kind öfter nachzufragen. "Wie geht's dir wirklich? Was meinst du damit? Und bloß nicht wegschauen oder weggehen, wenn es unangenehm werden könnte."
Das Hinschauen, Zuhören, nicht bewertende Feedback – auch darauf kam Marboe zu sprechen, und auf die Vorbildfunktion als Elternteil. Etwa beim Thema Handynutzung. Wenn Erwachsene das Handy öfter zur Seite legen und die gewonnene Zeit für den Austausch mit den Kindern nutzen, würden dies deren Handy-Nutzung definitiv beeinflussen.
Und wer nach dem Tag Hilfe bei der Bewältigung von psychischen Problemen suchte, erhielt Infos mit professionellen Angeboten in der Umgebung bzw. online.
Der Rotary Club Graz-Nord unterstützt die Initiative „Mental Health Days“ von Golli Marboe, sowohl finanziell – bislang mit 10.000 Euro – als auch ideell. So wird es möglich, dass SchülerInnen, Lehrende und Eltern diese Erfahrung kostenlos erleben können. Nach der MS und MMS Gratwein und dem BG Rein profitieren in den kommenden Monaten zwei weitere Schulen im Grazer Norden von der Initiative für psychische Gesundheit.